Rundbrief des Deutschen Bühnenvereins

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20.03.2020 Admin Hoyer

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Corona-Pandemie hält uns alle in Atem (die globale Echtzeit-Entwicklung zeigt das folgende Dashboard), ein globales Phänomen mit bisher nie gekannten Auswirkungen auf das öffentliche Leben in Deutschland, Europa und der Welt. Schon merkwürdig genug, dass das Mittel der Wahl gegen eine globale Bedrohung in diesen hyperaktiven Zeiten Stillstand lautet. Insbesondere für unsere Branche kommt noch erschwerend hinzu, dass jene, die sich selbst als Unterbrecher sehen, nun selbst unterbrochen sind – so hat es Uli Khuon in seinem Tagesspiegel-Interview vom gestrigen Tage beschrieben. Wie lange der Zustand des Stillstandes, in den wir dieser Tage ja gerade erst hineinbremsen, anhalten wird, lässt sich momentan nicht verlässlich sagen, mindestens mal bis zum 19. April, höchstwahrscheinlich länger. Er wird sicherlich umso länger dauern, je inkonsequenter – um nicht zu sagen unsolidarischer – wir alle damit umgehen, denn je mehr Sozialkontakte umso höher die Verbreitung und umso stärker die Belastung des Gesundheitssystems. Italien vermittelt uns eine Vorstellung davon, was uns blühen könnte, übrigens in einer Region (der Lombardei), deren Gesundheitssystem mindestens dem Standard bei uns entspricht. Die gestrigen Worte der Bundeskanzlerin sind daher sehr deutlich. Auch in dem, was nicht gesagt wurde, nämlich dass Ausgangssperren möglich sind, wenn der Appell an die Vernunft nicht ausreicht. Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie sehr herzlich, den vereinzelt noch stattfindenden Probenbetrieb sofort und vollständig einzustellen und die empfohlenen Maßnahmen zu beherzigen, damit der „Lockdown“ möglichst schnell wieder beendet werden kann. Es geht um Menschenleben! Ein weiteres Thema, das uns alle in Atem hält, ist der Umgang mit freien Künstler*innen und Gästen. Michael Schröder hat in seinem gestrigen Rundschreiben U048/2020 die Rahmenbedingungen erläutert. Gestatten Sie uns jenseits des Juristischen ein paar Gedanken: Einige Häuser zahlen ihren Gästen nun im April die gesamte vereinbarte Gage, obwohl die rechtliche Verpflichtung dazu jedenfalls streitig ist. Wir finden das solidarisch und richtig, damit nicht diejenigen ins Bodenlose fallen, die am schutzlosesten sind. Uns ist auch völlig klar, dass diese Handhabung nicht überall möglich ist, sei es aus wirtschaftlichen Gründen oder weil Rechtsträger rechtliche Schritte dagegen einleiten können. Unsere Empfehlung ist daher: Sprechen Sie Ihre Rechtsträger bitte proaktiv an, um in dieser Ausnahmesituation die Möglichkeiten zu eruieren. Das solidarische Miteinander unter uns allen in der Kunst und der Gesellschaft sollte zurzeit das Wichtigste sein und es liegt auch in unserem Eigeninteresse, denn wenn die öffentlichen Häuser – ob groß, mittel oder klein – in einigen Monaten möglicherweise in die Diskussion geraten, brauchen auch wir Solidarität. Niemand weiß aktuell, welche Konsequenzen und Folgen wirtschaftlicher und politischer Art diese Pandemie wirklich haben wird. Zu den besonders gefährdeten Mitgliedern in unserem Kreis gehören zweifelsohne die Privattheater, die besonders hart getroffen sind, und die unser aller Solidarität und Unterstützung benötigen. Wir erheben zurzeit mittels einer Umfrage die geschätzten Schadensdimensionen, um auch gegenüber der Politik sprachfähig zu sein. Bereits am letzten Freitag haben sich die Beauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Prof. Monika Grütters, und die Kulturminister*innen der Länder dem Grunde nach darauf verständigt, einen Notfallfonds für die Kultur einzurichten, der selbstverständlich auch den Theatern und Orchestern zugutekommen muss. Ulrich Khuon und ich haben uns in einem Schreiben an Frau Grütters und den bayerischen Kunstminister Bernd Sibler (in seiner Eigenschaft als Vorsitzender Kulturministerkonferenz) gewandt und unsere Unterstützung angeboten, aber auch darum gebeten, in die weiteren Verhandlungen zur Konzeption mit eingebunden zu werden. Wie genau dieser Fonds funktionieren soll, wer daran beteiligt ist und wer antragsberechtigt ist, wissen wir zurzeit noch nicht. Der Deutsche Kulturrat hat in seiner heutigen Pressemeldung angeboten, selbst operativ tätig zu werden. Im Gespräch sind auch die Kulturstiftung des Bundes und der Länder. Wir halten Sie natürlich auf dem Laufenden darüber. Corona hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf den Bühnenverein selbst: Sämtliche Gremiensitzungen und Termine sind bis in den April abgesagt, neben dem Orchesterausschuss mussten auch die Arbeitsgemeinschaft Betriebswirtschaft, die Opernkonferenz und der Künstlerische Ausschuss ausfallen. Welche Konsequenzen die aktuellen Entwicklungen auf unsere weiteren Aktivitäten haben (JHV etc), ist zurzeit noch eine offene Frage, wir werden uns im Laufe der nächsten Wochen so schnell wie möglich darüber mit den Gremien verständigen. Auch die Geschäftsstelle in Köln arbeitet seit Montag, den 16.3.2020, im Notpräsenzbetrieb (siehe auch Rundschreiben U046/2020), die Kolleg*innen arbeiten im Home Office und sind über Mail und Mobiltelefon erreichbar. Wir verständigen uns untereinander zurzeit nur über Mail und Telefon, alle Kolleg*innen sind aber höchst involviert bei der Bearbeitung der vielen Fragen, die es nun zu klären gilt. Wie Sie bereits gelesen haben, kümmern wir uns in diesen Tagen vor allem um die Bewältigung der rechtlichen Fragen und der Presseanfragen, die mit der Schließung des Vorstellungsbetriebs zu tun haben, bieten auf unserer Infosite regelmäßige Updates, stehen aber auch bezüglich vieler Einzelfall-Anfragen mit der Mitgliedschaft in Kontakt. Gleichzeitig sind Präsident und Vorstand vor allem mit Öffentlichkeitsarbeit, mit Kommunikation in Politik und Szene sowie mit Mitgliederkommunikation beschäftigt. Wir bemühen uns aber auch, verbandsrelevante andere Themen weiterhin zu bearbeiten. Bitte zögern Sie nicht, sich bei Fragen und Anregungen direkt an uns zu wenden! Alle Kolleg*innen sind motiviert und extrem engagiert, Ihnen in diesen Krisenzeiten einen guten Service zu bieten. Für die im Bundesprogramm „Kultur macht stark“ stattfindenden Projekte warten wir zurzeit auf eine Klärung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – sobald wir hier nähere Informationen haben, lassen wir Sie das natürlich wissen. Deutscher Bühnenverein Bundesverband der Theater und Orchester St.-Apern-Str. 17-21 · D-50667 Köln Postfach 10 07 63 · D-50447 Köln Tel. +49 (0)221-20812-12 · Fax +49 (0)221-20812-29 vorstand@buehnenverein.de http://www.buehnenverein.de .

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